Ralph Roger Glöcklers Reise nach Corvo, ein impressionistisches Gemälde der kleinsten Insel des Archipels der Azoren, schildert die Suche nach dem Mythos des Kommunitarismus, einer geradezu urchristlichen Lebensweise, und dem, was davon übrig blieb. Eine Suche, die im Porträt des Bürgermeisters der Gemeinde von Corvo ihren Höhepunkt findet – versuchte dieser doch nach dem Ende der Utopie im Jahre 1971, den Menschen auf Corvo eine neue, auf den wirtschaftlichen und kulturellen Gegebenheiten der Insel beruhende Identität zu verschaffen.
Ein möglicherweise gescheitertes, aber einem Künstler würdiges Projekt, das – im Sinne Baudelaires – danach trachtet, eine neue Wirklichkeit aus vorgefundenen Elementen zu schaffen. So spricht das Buch von der Geschichte der Insel, von der Landwirtschaft, von der Beziehung der Bevölkerung zur Natur, zur Gesellschaft und zur »Câmara Municipal«, dem allmächtigen Bürgermeisteramt mit seinen unbequemen, herausfordernden Ideen.
1957 erschüttert eine submarine Eruption die Azoren-Insel Faial. Als sich in der Folge ein Vulkan vor der Küste aufbaut und seine Aschefontänen die Insel wie einen Teppich bedecken, verändert sich das Leben dort dramatisch: Die meisten Inselbewohner, verängstigt durch die Naturgewalt, verlassen ihre Heimat in Richtung Amerika, mit dem man schon seit Jahrhunderten durch den Walfang verbunden ist. Zurück bleibt nur ein kleiner Teil der Alteingesessenen. Der Walfang ist aufgegeben, die Küste verlassen, Häuser der Natur übergeben, Ochsenkarren sind nur noch auf verblichenen Fotografien und in den Erinnerungen der Alten zu finden. Die einstige Magie des Ortes kann nur noch in der Phantasie beschworen werden. Ralph Roger Glöckler hat auf Faial Lavafelder durchstreift und in ihnen Spuren neuen Lebens entdeckt. Er hat mit alten Leuten geredet, die die Insel nie verlassen haben und sich noch gut erinnern können; er ist den Spuren der Ausgewanderten bis nach New Bedfort in Massachusetts gefolgt und hat Naturwissenschaftliches mit Historischem verknüpft.