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Wirtschaft
Landwirtschaft und Meer als Geldgeber  
Fischerei bringt Arbeit
Fischerei bringt Arbeit
Über 50% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft. Daneben nehmen Fischfang und Tourismus eine wichtige Position ein. Den Urlauber interessieren mehr die Einkaufsmöglichkeiten. Auch auf den Azoren gibt es gesetzliche Öffnungszeiten. Viele Geschäfte haben jedoch nach Bedarf geöffnet. Man darf sich daher nicht wundern, wenn Läden nachmittags einfach mal eben so geschlossen haben.

Dafür haben vor allem Lebensmittelgeschäfte oft auch am Sonntag zumindest vormittags geöffnet. In den größeren Städten kann man bis spät am Abend einkaufen. Hier gibt es inzwischen Supermärkte, die mit mitteleuropäischen Dimensionen durchaus mithalten können.


Landwirtschaft:

Wirtschaftlich gesehen ist der Agrarsektor der bedeutenste Wirtschaftszweig der Azoren. Überall sieht man Kühe auf der Weide. Viehwirtschaft und Milchwirtschaft haben auf jeder der neun Inseln ihren Stellenwert bis heute behaupten können. Dabei werden Butter und Käse auch exportiert. Gerade die Milchprodukte sind beliebt und bekannt: Käse von Sao Jorge oder Flores gelten als edle Delikatessen.
Die Landwirte der Azoren sind aber auch Lieferanten eines ausgezeichneten Rindfleisches. Fleischprodukte werden vor allem nach Portugal und auf die Insel Madeira exportiert. Das Fleisch ist von hervorragender Qualität. Alles in allem macht dieser Teil der Landwirtschaft rund 70% aller Exporte der Azoren aus. Etwa ein Viertel der in ganz Portugal konsummierten Milch und Milchprodukte stammt von den Azoren. Über 20.000 Rinder werden jedes Jahr geschlachtet. Mehr als doppelt soviele werden jedes Jahr exportiert.
Der Export in der Landwirtschaft ist ein Klassiker der von Beginn an einen bedeutenden Stellenwert einnahm. Bis ins 16. Jahrhundert hinein war es vor allem Weizen, der ans Festland verschifft wurde. Portugals neue Kolonien gerade auch auf dem sonst trockenen afrikanischen Festland waren dankbare Abnehmer des auf den feuchten Azoren ausgezeichnet gedeihenden Korns.
Dann lösten die Färberpflanzen das Getreide ab. Aus der Pastellpflanze Färber-Waid gewann man den blauen Indigo-Farbstoff. Aus der Färberflechte Orseille (Urzela) ergab sich ein rötlich brauner Farbstoff. Gerade die Färbereien im fernen Flandern nahmen große Teile ab. Erst als künstliche Farbstoffe die natürlichen Produkte ablösten, war das Ende dieses Wirtschaftszweiges besiegelt.
Ähnlich ging es dem Weinbau. Mit der Einführung von Mehltau und später der Reblaus im 19. Jahrhundert wurden fast alle Weinstöcke zerstört. Die heutigen Weinstöcke dagegen sind gegen die Reblaus resistent. Mais, Süßkartoffeln und Yam werden noch heute angebaut, allerdings vor allem zum Eigenverbrauch.


Orangenanbau:

Im 18. Jahrhundert florierte der Orangenanbau. Sao Miguel wurde eines der Zentren des Orangenanbaus und trat in Konkurrenz mit zu den Orangenplantagen von Valencia. Eigentlich waren die Zitrusfrüchte schon im 16. Jahrhundert auf die Azoren gekommen. Die Plantagen waren hinter großen Mauern verborgen, die noch heute stehen. Die Früchte wurde zum Großteil nach England und nach Übersee exportiert. Orangen war zu dieser Zeit eines der größten Luxusgüter und nur im Winter erhältlich. 1854 exportierte man 60 Mio. Orangen und 15 Mio. Zitronen auf 70 Schiffen allein nach England. Jede Orange wurde reif gepflückt und einzeln in trockene Maisblätter eingepackt. Mit kleinen Booten wurden die Orangen dann auf die Frachtschoner verschifft. Unzählige Schiffe verkehrten zwischen den Azoren und dem fernen England. Jährlich setzte ein Wettlauf ein, welches Schiff als erstes mit frischer Ware in England festmachte. So kamen innerhalb weniger dutzende Schiffe in England an. Zwei bis drei Wochen benötigten die Schiffe für die Überfahrt. Mehrere Tausend Seefahrer waren allein mit dem Export beschäftigt. Sie brachten die empfindliche Ware mit kleinen Schonern über den Atlantik. Allerdings konnten sie nur wenig Fracht mitnehmen. Die Schoner hatten nur wenig Ladefläche und die schnell verderblichen Orangen konnten schlecht gestapelt werden. Täglich mußte die kostbare Fracht sortiert werden. Die größten der Schiffe konnten bis zu 100t fassen. Weil der Hafen von Ponta Delgada nicht für Dampfschiffe geeignet war machte man sich daran den Hafen auszubauen, schließlich fehlten vor allem Kohlelager. Der Boom der Orangen brachte florierende Gewinne. Prächtige Herrenhäuser entstanden. Die Händler aus England zogen bald mit ihren Familien auf die Inseln. Sie zeugen noch heute von dem Wohlstand den die Orangen brachten. So groß der Erfolg war, so schnell wurde er auch beendet. Eine Krankheit zerstörte binnen weniger Jahre fast alle Plantagen. Der zusammengebrochene Handel stürtzte die Inseln in eine schwere Wirtschaftskrise.


Fischerei:

Überraschend ist der geringe Stellenwert der Fischerei. Thunfisch zählt mengenmässig zu den am meisten befischten Arten. Weitere Fischarten des artenreichen Atlantikgebietes dienen hauptsächlich zur eigenen Versorgung oder Belieferung der lokalen Restaurants.


Wirtschaft allgemein:

Mit Subventionen der Europäischen Union wurden gerade in den vergangenen Jahren mehrere Projekte auf den Azoren finanziert.
Likörflasche
Likörflasche

Ein Großteil der industriellen Produktion wird auf Sao Miguel umgesetzt. Traditionell ist das Baugewerbe. Viele Verarbeitungsbetriebe findet man im Bezirk von Ponta Delgada. Hier werden Tabak und Zucker verarbeitet, Tee angebaut und Bier gebraut.
Auf Sao Miguel gibt es auch zahlreiche Ananasplantagen. Diese Früchte hervorragender Qualität gibt es seit 1864. Sie werden in Treibhäusern angebaut.
Große Flächen werden auch mit Tabak bepflanzt. Er wird gleich in Fabriken auf Sao Miguel weiter verarbeitet. Zwei Tabakfabriken stellen Zigaretten unterschiedlicher Art und Stärke sowie Zigarren her. Sie bekommt man in allen Läden auf den Azoren. Tabak findet man vor allem auf der feuchten Nordseite der Insel.
Dazu gibt es noch Obstplantagen. Typisches Produkt ist der Maracuja-Likör. Die Passionsfrucht dient als Alternative zur Bewirtschaftung der Obstanbauflächen. Sie findet auch als Zutat im Gebäck ihre Verwendung.
Im Nordosten von Sao Miguel gibt es noch die letzten Teeplantagen von Europa. Im Jahr 1801 wurden die Teepflanzen von China aus eingeführt. Zunächst auf Terceira, haben die Kulturen auch auf Sao Miguel ihren Platz gefunden. Die Bevölkerung wurde Schritt für Schritt in die Geheimnisse des Anbaus und der Verarbeitung eingeweiht. Bis heute haben sich zwei Anbaufirmen erhalten.
Zuckerrüben werden darüber hinaus zu Zucker verarbeitet. Noch vor 100 Jahren wurde daraus Alkohol hergestellt. Heute versorgen sie die einzige Zuckerfabrik der Azoren auf Sao Miguel. Insgesamt ist der Anteil von Getreide und Feldfrüchte recht gering. Eine Ausnahme bildet der Mais. Er wird vor allem als Viehfutter verwertet. Ein weiterer Abnehmer sind einige Bäckereien, die ihn zu dem bekannten leicht süßlichen Maisbrot verarbeiten.

Erdwärmekraftwerk
Erdwärmekraftwerk

Stromerzeugung:

Der Strom auf den Azoren stammt aus ölbetriebenen Kraftwerken. Dazu gibt es Hydroelektrische Stationen, die die geothermischen Gegebenheiten der Azoren nutzen. gerade auf Sao Miguel gibt es bei Ribeira Grande ein größeres Erdwärmekraftwerk. Es ist ein Schritt in die alternative Energiegewinnung. Zudem findet man immer mehr Windkraftwerke.

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